Hahnemühle 440 Jahre: das älteste Papierhaus und der Fineart-Druck heute
Hahnemühle in Dassel besteht seit 1584 — eine Bilanz der Fineart-Linien Photo Rag, German Etching und Bamboo und der Position gegenüber Canson Infinity und Ilford Galerie.
In Dassel, einem niedersächsischen Ort am Rand des Sollings, steht die Papiermanufaktur, die im Foto-Fineart-Sektor weltweit den langen Atem hat: Hahnemühle ist 1584 gegründet worden, blickt damit auf 440 Jahre durchgängige Produktion zurück und gilt als ältester Papierhersteller, der seine Linie ohne Bruch in die Gegenwart geführt hat. Für die Fotografie ist das eine erstaunliche Verbindung: ein Haus aus der frühen Neuzeit, das heute die ICC-Profile für Pigment-Tinten-Druck auf der Epson SureColor-Serie pflegt und in den Tinten-Auftrags-Eigenschaften seiner Bütten-Papiere auf das hundertstel Milliliter genau dokumentiert ist.
Die Fineart-Linie seit den 1990er Jahren
Die heute bekannte Fineart-Linie des Hauses ist ein Produkt der 1990er Jahre, als der Inkjet-Druck mit Pigment-Tinten von den ersten Iris-Maschinen über die Epson-Stylus-Pro-Serie in die professionelle Foto-Welt eingezogen ist. Hahnemühle hat die historischen Bütten-Rezepturen, die das Haus für die Aquarell- und Druckgrafik-Welt führt, auf die Anforderungen der Inkjet-Schicht umgerechnet — und drei Linien als Säulen etabliert. Photo Rag (100 Prozent Baumwolle, matte Oberfläche, 308 oder 500 g/m²) ist die meistverwendete Fineart-Sorte für Schwarzweiß- und Farb-Editionen mit weichem Strich. German Etching (100 Prozent Alpha-Zellulose, leicht texturierte Oberfläche, 310 g/m²) zielt auf die radierte Anmutung historischer Druckgrafik. Bamboo (90 Prozent Bambusfaser, 290 g/m²) hat den ökologischen Anspruch in die Linie geführt, ergänzt durch Sugar Cane als Bagasse-basierte Variante.
Die Konkurrenz im Fineart-Segment
Hahnemühle teilt das hochwertige Segment mit drei nennenswerten Mitbewerbern. Canson Infinity, die Foto-Linie des französischen Hauses Canson (gegründet 1557 — noch 27 Jahre älter als Hahnemühle, mit eigener historischer Tradition über die Montgolfière-Ballonpapiere bis zu den Vélin-Aquarell-Bögen), führt mit Rag Photographique und Baryta Prestige zwei direkt vergleichbare Linien. Ilford Galerie, aus dem englischen Foto-Chemie-Haus hervorgegangen, ist im Baryta-Sektor stark — mit der Galerie Prestige Gold Fibre Silk als der wohl meistgenutzten Baryta-Sorte im professionellen Sektor. Epson selbst hat mit Hot Press Bright und Hot Press Natural eigene Fineart-Papiere im Programm, die auf die hauseigenen UltraChrome-Tinten der SC-P-Serie abgestimmt sind und vor allem bei Inhouse-Workflows eine konsistente Profilkette ermöglichen.
Die Drucker-Welt: Epson und Canon
Im A2+-Format ist das Pigment-Tinten-Segment heute auf zwei Modelle konzentriert. Die Epson SureColor SC-P900 (Format bis 17 Zoll, 10 UltraChrome-PRO10-Pigment-Tinten in einem Druckkopf, Carbon-Black-Schwarz für Schwarzweiß-Tiefen) und die Canon imagePROGRAF PRO-1000 (Format bis 17 Zoll, 12 LUCIA-PRO-Pigment-Tinten in einem Druckkopf mit Chroma-Optimizer als Klarschicht). Beide Modelle adressieren denselben professionellen Editions-Markt, beide werden mit Hahnemühle-, Canson- und Ilford-Profilen vertrieben, beide sind in der Tinten-Kostenrechnung pro A2-Bogen vergleichbar. Die Wahl zwischen den Plattformen folgt eher dem persönlichen Workflow als einer technischen Überlegenheit eines der beiden Hersteller — Epson hat den Vorteil der dedizierten Schwarzweiß-Tonalität, Canon den Vorteil des Chroma-Optimizers für gleichmäßige Oberflächen-Reflexion.
Color-Management: ICC-Profile als Pflichtteil
Was im Fineart-Druck nicht verhandelbar ist, ist die ICC-Profilkette vom Bearbeitungs-Display bis zum Drucker-Papier-Tinte-Verbund. Hahnemühle stellt für jede Papier-Linie ein ICC-Profil je Drucker-Modell zur Verfügung, in der Regel als Custom-Profil über die X-Rite-i1Profiler-Routine erzeugt und auf den Spektralphotometer-Daten der hauseigenen Charge basierend. Wer ohne kalibriertes Display und ohne Soft-Proof-Vorschau druckt, riskiert auch auf einem 308-g-Photo-Rag-Bogen Farbabweichungen, die den Materialwert nicht rechtfertigen. Die Investition in einen Display-Kalibrator und in die Profil-Pflege ist Bestandteil der Fineart-Praxis und kein Zusatz.
440 Jahre als Argument
Hahnemühles Alter ist im Foto-Sektor nicht nur eine Marketing-Notiz, sondern hat einen praktischen Niederschlag. Die Charge-Konsistenz, mit der ein Photo-Rag-308-Bogen von 2026 sich gegenüber demselben Papier aus 2015 verhält, ist messbar gering — das Profil-Update über die Jahre ist überschaubar. Das ist für Editions-Druck, bei dem ein Print aus dem Jahr 2018 mit einem identischen Druck aus dem Jahr 2026 nebeneinander hängen kann, eine zentrale Eigenschaft. Die 440 Jahre sind weniger eine Tradition als die Garantie eines stabilen Produktions-Prozesses — und das ist im Fineart-Sektor das Argument, das die Wahl trägt.