GIMP 3.0 nach sieben Jahren: GTK3-Übergang und der Stand zur Abo-Konkurrenz
Im März 2025 ist GIMP 3.0 nach siebenjähriger Entwicklung erschienen — eine Bilanz zum GTK3-Architektur-Update und zur Position gegenüber Lightroom, Capture One und DxO PhotoLab.
Der März 2025 hat das wohl längst erwartete Release der Open-Source-Bildbearbeitung gebracht: GIMP 3.0 ist nach sieben Jahren Entwicklungslinie erschienen, mit dem Übergang von GTK2 auf GTK3 als zentraler Architektur-Änderung. Für die Praxis bedeutet das eine durchgreifende Modernisierung der Oberflächen-Schicht, eine deutlich verbesserte Hi-DPI-Unterstützung auf modernen Bildschirmen und die Grundlage für ein nicht-destruktives Editier-Modell, das in den Folgereleases ausgebaut werden soll. Wer die Linie seit den 2.10er-Bauten kennt, erkennt nicht nur eine neue Versionsnummer, sondern den ersten großen Generationenwechsel der Anwendung seit Mitte der 2000er Jahre.
Was GTK3 für die Praxis konkret bedeutet
Die GTK2-Schicht, mit der GIMP über etwa anderthalb Dekaden ausgeliefert wurde, war auf den klassischen 96-DPI-Bildschirm zugeschnitten. Die Skalierung auf 4K-, 5K- oder 6K-Displays funktionierte unzuverlässig, Bedienelemente wirkten entweder zu klein oder unscharf nachgezeichnet. GTK3 löst das Skalierungs-Problem strukturell: Iconographie, Menü-Hierarchie und Werkzeugkasten passen sich an die Pixeldichte des angeschlossenen Displays an, ohne dass der Anwender per Hand in Konfigurationsdateien eingreift. Hinzu kommt die Wayland-Kompatibilität, die unter aktuellen Linux-Distributionen ohne X-Server-Brücke arbeitet. Für die macOS- und Windows-Bauten ist das Update weniger spürbar, aber die Code-Basis ist damit auf Jahre hinaus tragfähig.
Der nicht-destruktive Weg bleibt eine Großbaustelle
Die zentrale Schwäche der GIMP-Linie gegenüber dem Adobe-Lightroom-Classic-Modell ist unverändert: GIMP arbeitet rastergebunden, mit destruktiven Pixel-Operationen auf Ebenen, die nur über Smart-Object-ähnliche Konstruktionen — derzeit über Skript-Lösungen, nicht über native Architektur — teilweise reversibel werden. Die 3.0-Linie legt die Grundlagen für ein vollständig nicht-destruktives Layer-Modell mit GEGL-Operationsketten, das aber erst über die 3.x-Folgeversionen schrittweise in den Workflow einziehen wird. Bis dahin gilt: Wer eine Belichtungs-, Tonwert- oder Farbkurven-Korrektur im RAW-Stadium braucht, arbeitet sinnvoll mit Darktable (Open Source, seit 2009) oder RawTherobere als vorgeschaltete RAW-Entwicklung und übergibt das Ergebnis an GIMP für die Retusche-Stufe. Die Brücke zwischen den beiden Open-Source-Anwendungen ist über die Export-/Import-Schiene mit dem 16-Bit-TIFF-Container praxistauglich.
Die Abo-Konkurrenz: Lightroom, Capture One, DxO PhotoLab
Im kommerziellen Sektor ist die Lage seit dem Mai 2013 stabil: Adobe hat mit dem Photography Plan die Lightroom-Classic- und Photoshop-Vollversion in ein Abo-Modell zu derzeit etwa elf Euro pro Monat überführt. Capture One (Phase One, Dänemark, seit 2003) ist mit Capture One 25 als aktueller Generation auf das gleiche Abo-Modell umgestiegen, hält aber eine Perpetual-Lizenz für die jeweils letzte Hauptversion. DxO PhotoLab (DxO Labs, Frankreich, seit 1999) verfolgt mit der hauseigenen DeepPRIME-Rauschreduktion und den optischen Modul-Korrekturen für rund 4.000 Objektiv-Kamera-Kombinationen einen technologisch eigenständigen Weg und vertreibt seine Linie weiterhin als Einzellizenz. Gegen diese drei Optionen muss sich GIMP als Vollkosten-frei behaupten — und der Vergleich fällt differenziert aus.
Wo GIMP gewinnt und wo es noch nicht reicht
Für Retusche-Arbeit auf bereits entwickelten Bildern, für Composing, Maskierung, Pfad-Arbeit und alle pixelgenauen Operationen jenseits der RAW-Stufe ist GIMP 3.0 ein voll arbeitsfähiges Werkzeug. Die Skript-Schnittstellen über Script-Fu und Python erlauben eine Automatisierung, die im kommerziellen Sektor nur Photoshop in vergleichbarem Umfang bietet. Wo GIMP heute noch nicht reicht: bei der katalogbasierten Verwaltung großer Bildbestände (die Lightroom Classic im Kern bedient), bei der hochwertigen RAW-Entwicklung mit hauseigenem Profil-System (Domäne von Capture One) und bei der KI-gestützten Rauschreduktion und Schärfung (Stärke von DxO). Wer eines dieser drei Felder als Kern-Workflow betreibt, wird bei der kommerziellen Lösung bleiben — und das ist eine sachliche Feststellung, keine Wertung.
Die Community-Argumentation
Was GIMP gegenüber der Abo-Konkurrenz hat, ist die Unabhängigkeit von einer Hersteller-Roadmap. Die Software läuft auch dann weiter, wenn das jeweilige Unternehmen seine Strategie ändert, das Abo-Modell verteuert oder eine Funktion in ein höheres Tier auslagert. Die GIMP-3.0-Veröffentlichung nach siebenjähriger Entwicklung ist dafür der Beleg: kein Vertriebsdruck hat das Release beschleunigt, kein Marketing-Zyklus hat es vorgezogen. Für die Foto-Praxis, die auf langfristige Datei-Kompatibilität und auf einen weiterführbaren Werkzeug-Bestand zielt, ist das ein eigenständiges Argument — und mit der GTK3-Architektur unter der Haube ist die Linie für die nächsten Jahre tragfähig aufgestellt.